Warum Wildtiere nicht in den Zirkus gehören

Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die den Wildtieren im Zirkus das Leben zur Qual machen:

 

1. Wildtiere sind nicht-domestizierte Tiere mit kaum erfüllbaren Haltungsansprüchen

Die Zähmung eines Tieres wird oftmals fälschlicherweise mit Domestizierung gleichgesetzt. Domestizierte Tiere haben sich im Laufe von Jahrtausenden durch Zucht, Selektion bestimmter Eigenschaften und Verlust natürlicher Verhaltensweisen an ein Leben in Menschenhand angepasst. Dies trifft auf gezähmte Wildtiere gerade nicht zu. Obwohl sie in Gefangenschaft geboren wurden, zeigen sie weiterhin die natürlichen Bedürfnisse und Instinkte ihrer wildlebenden Artgenossen. 

 

2. Beengte Platz- und Beschäftigungsmöglichkeiten

Die Tiere sind während der gesamten Zirkussaison in Transportwagen und provi-sorischen Reisegehegen untergebracht, Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten fehlen weitgehend. Durch Auftritte in der Manege kann der immense Bewegungsmangel nicht kompensiert werden.

 

3. Häufige Standortwechsel und belastende Transporte

Bis zu 80-mal im Jahr finden Transporte zwischen den Gastspielorten statt. Sie bedeuten selbst für daran gewöhnte Tiere grossen Stress. Nicht nur während der Transporte selbst, sondern auch während des wiederkehrenden, langwierigen Auf- und Abbaus der Zelte verbringen die Tiere oft Stunden in den beengten Transportwagen.

 

4. Dressur und Auftritte

Die in Zirkussen gezeigten Dressurnummern sind das Ergebnis fragwürdiger Trainings-methoden, die auf menschlicher Dominanz und schlimmstenfalls auf Gewalt beruhen, auch wenn seitens der Dompteure gerne von „gegenseitigem Vertrauen“ gesprochen wird. Sie stellen keineswegs eine verhaltensgerechte Beschäftigung im bewegungs-armen Alltag der Tiere dar. Oft gehören unnatürliche und teilweise körperlich belastende Bewegungsabläufe zum Programm. Der Zirkusalltag lässt manche Tiere nachweislich psychisch oder physisch verkümmern. Auch der von Zirkusseite propagierte pädagogische Nutzen ist in Zirkusvorstellungen nicht gegeben, stattdessen werden Tiere oft vermenschlicht oder als Lachnummern präsentiert.

 

5. Würdeverletzungen im Rahmen der Haltung und Vorführung von Wildtieren im Zirkus

Das Schweizer Tierschutzgesetz schützt neben dem Wohlergehen von Tieren auch ihre Würde und setzt damit ein Verfassungsprinzip um. Dieses anerkennt, dass Tiere nicht beliebig für die Interessen des Menschen zur Verfügung stehen, sondern in erster Linie „um ihrer selbst willen“ da sind. Es müssen also gewichtige Gründe dafürsprechen, Tiere in ihren Bedürfnissen einzuschränken. Der Auftritt in einer Zirkusmanege ist kein solch gewichtiger Grund. 

 

6. Trennung vom Muttertier

Um die Tiere später trainieren zu können, werden Jungtiere häufig sehr früh von ihren Müttern getrennt. So wird eine Fehlprägung der Jungtiere auf den Menschen mittels Handaufzucht erreicht. In der Folge kommt es bei zahlreichen Wildtieren im ausgewachsenen Alter zu Verhaltensstörungen. 

 

7. Fragwürdige Herkunft der Tiere

In der Regel werden Wildtiernummern in der Schweiz von ausländischen Unternehmen für eine Saison gebucht. Aus Tierschutzsicht ist daher auch die Frage relevant, was mit den Tieren vor und nach einem Engagement für eine Saison passiert. Viele der eingekauften Nummern stammen aus Ländern, deren Tierschutzgesetzgebung weit unter den schweizerischen Standards liegen. Die Zucht, Haltung und Dressur der Tiere finden häufig unter inakzeptablen Bedingungen statt.

 

8. Schicksal ausgedienter Tiere: unbekannt

Über das weitere Schicksal ausgemusterter Wildtiere ist kaum etwas bekannt. Tatsache ist: Die Zucht entsprechender Tiere ist ein Geschäft und nur selten sind ausreichend Möglichkeiten vorhanden, alt gewordene Wildtiere unterzubringen, sei dies aus logistischen oder finanziellen Gründen. 

 

9. Kein Artenschutz und kein nachhaltiger edukativer Effekt durch Zirkusvorführungen

Ein Zirkus kann keinen Beitrag zum Artenschutz leisten. Durch die unnatürlichen Haltungsbedingungen und den engen Kontakt mit Menschen können die Tiere nicht mehr ausgewildert werden. Auch entspricht eine Zirkusvorstellung in keinem Fall der natürlichen Realität eines Wildtieres und hat somit keinen lehrreichen Nutzen für Kinder und Erwachsene.